La Traviata, Giuseppe Verdi

Süddeutsche Zeitung, 24.1.2011, Egbert Tholl
„Die Grundschwierigkeit einer jeden „La Traviata“-Aufführung ist die Glaubwürdigkeit der Hauptdarstellerin. Die meisten Sopranistinnen, die in der Lage sind, die Partie stimmlich zu erfüllen, wirken viel zu robust, als dass man ihnen die von Beginn an ihrem Tode entgegentaumelnde Tuberkulose-Kranke abnehmen könnte. Marlis Petersen glaubt man die Krankheit der Violetta vom ersten Auftritt an. (…) Petersen wurde 1968 geboren. Doch findet sich in ihrer Stimme ein reizender Mädchenklang, der jenes changierende Element in ihrem makellos dramatischen Gesang ausmacht, der die Sehnsucht nach Liebe glaubwürdig macht. Sie ist eine phantastische Darstellerin, schonungslos sich selbst. Im ersten Teil der großen Arie im ersten Akt sinniert sie traumverloren zwischen den Vorhängen über ein mögliches Glück; im zweiten überwindet sie schluchzend und hustend diese Anwandlung. Sie steigt auf den Stuhl, quält sich Verdis Feier der Freude und des Vergnügens mit ostentativem Willen aus dem Leib, stürzt herab, singt liegend weiter, im Zorn über den eigenen, sie im Stich lassenden Körper. Alles, was sie singt, ist richtig. Am allerschönsten vielleicht im dritten Akt, wenn sie im „Addio, del passato“ ihre Stimme, ohne je die Gesangslinie zu gefährden, brüchig erscheinen lässt, völlig kontrolliert den Wohlklang aufgibt, die Farben ihres Soprans vom Grau des Todes überschatten lässt. Petersen, die diese Partie so umfassend und souverän bewältigt, singt die Violetta in Graz zum ersten Mal in ihrer bislang eher unscheinbaren Karriere. Auch für Konwitschny ist es ein Debüt. Viel Verdi hat er inszeniert, aber noch nie diese Oper. Es scheint, als hätten sie beide auf diesen Abend gewartet.“

Der Standard, 24.1.2011, Daniel Ender
"Marlis Petersen verbindet existenzielles Leiden mit exzellentem Gesang und beherrscht einen intimen Tonfall ebenso wie mit unerschöpflichen Reserven erfüllte Dramatik".

Die Presse, 24.1. 2011, Stefan Musil
"Konwitschny und sein Ensemble sind nicht vom Weg abgekommen zu einer konzentrierten, intelligenten, musikalischen Deutung, die vom Publikum laut bejubelt wurde."

Salzburger Nachrichten, 24.1.2011, Ernst P. Strobl
"Gerade, wenn im Saal sich die letzten Tränenschleusen des mitleidenden Publikums öffnen, geht das Licht an. Egal, man darf heulen und sich sicher sein, dass man mit seiner Rührung nicht allein dasitzt, Die "Traviata" in Graz trifft einen voll. (...) Das Rollendebüt von Marlis Petersen als Kameliendame darf durchaus als sensationell eingestuft werden, da durchleidet eine hinreißende Schauspielerin mit eindringlich wandlungsfähigem Sopran Himmel und Hölle."

Österreich, 24.1.2011, Martin Link
"Marlis Petersen gestaltete das lange Sterben Violettas atemberaubend. (...) Graz hat eine "Traviata", von der noch lange die Rede sein wird."

Kleine Zeitung, 23.1.2011, Ernst Naredi-Rainer
"Zum Triumph für Marlis Petersen in der Titelrolle geriet Peter Konwitschnys Neuinszenierung von Verdis "La traviata" in der Grazer Oper. (...) Seine ohne Pause durchgespielte Kurzfassung gewinnt vor allem dank der herausragenden Leistung der Protagonistin einen unwiderstehlichen Sog: Marlis Petersen, eine Singschauspielerin von enormer Intensität, achtet bei ihrem Rollendebüt als Violetta nicht auf stimmliche Brillanz, sondern auf höchste Ausdruckskraft".

Kronenzeitung, 24.1.2011, Martin Gasser
"Ihren Sog entfaltet die Aufführung durch die ausgefeilte Personenführung und beeindruckende Theatermomente, die sich gegen Ende häufen. Bis hin zu Violettas Bühnentod, in der die von allen verlassene "Traviata" langsam von der Dunkelheit eingehüllt wird. Ein wirkungsvolles Finale, das eine Vorstellung von der Intensität jener Einsamkeit und Verzweiflung gibt, die Verdi im Sinn gehabt haben mag, als er die Oper komponierte. Marlis Petersen füllt die zentrale Rolle, der alle Sympathien gehören, brillant aus. Sie ist keine stupende Virtuosin, sondern eine lyrische Heroine, die ihr anmutiges Material in den Dienst des Dramas stellt. Feine Piani und ausdrucksstrake Bögen verdichten sich zu einem anrührenden Portrait einer am Rand der Gesellschaft balancierenden und tragische scheiternden Figur.