BIOGRAFIE

Was die Kunstwelt und das Publikum an Marlis Petersen fasziniert ist ihre lupenreine, kristallklare Stimme, ihre Bühnenpräsenz und die Fähigkeit der vollständigen Identifikation mit ihren Rollen.

Sie spielte bereits Klavier und Querflöte, bevor sie sich jenem Instrument zuwandte, mit dem sie heute ihre Zuhörer begeistert.
An der Musikhochschule Stuttgart studierte sie Schulmusik und Gesang bei Sylvia Geszty, um dann erst einmal einer anderen Leidenschaft zu frönen: Nach einer Jazz-und Steptanzausbildung an der New York City Dance School in Stuttgart bewies die Künstlerin mit zahlreichen Engagements im Showbusiness ihr Interesse an Grenzüberschreitungen.
Der ernsten Musik blieb sie weiterhin verbunden, denn in einem weiterführenden Studiengang widmete sich die Sopranistin den Schwerpunkten Oper und Zeitgenössische Musik. So erscheint es folgerichtig, dass Marlis Petersen ihrem 1990 ersungenen Preis beim VDMK-Wettbewerb Berlin in der Sparte Oper-Operette-Konzert drei Jahre später einen weiteren Preis im Bereich Musical-Chanson-Song hinzufügte.

1994 trat die Sopranistin ihr erstes Engagement an den Städtischen Bühnen Nürnberg an und sang dort Partien wie Ännchen („Der Freischütz"), Blondchen („Die Entführung aus dem Serail"), Oscar („Ein Maskenball"), Adele („Die Fledermaus"), Zerbinetta („Ariadne auf Naxos") und Königin der Nacht („Die Zauberflöte").
Von 1998 bis 2003 war Marlis Petersen Ensemblemitglied der Deutschen Oper am Rhein in Düsseldorf/Duisburg.
Dort erweiterte sie Ihr Repertoire um Partien im italienischen und französischen Fach, so z.B. Norina („Don Pasquale“), Morgana („Alcina“), Marie („Die Regimentstochter“), aber auch Susanna („Die Hochzeit des Figaro“), Sophie („Der Rosenkavalier), Füchschen Schlaukopf („Das schlaue Füchslein“) und Viola („Was ihr wollt“).
Als Konstanze in Mozarts „Entführung aus dem Serail" feierte sie große Erfolge in Frankfurt, Brüssel und Aix-en-Provence.

Eine zentrale Rolle in Marlis Petersens Opernlaufbahn ist Alban Bergs Protagonistin Lulu.
Nach Produktionen in Nürnberg, Kassel und Düsseldorf gab sie 2002 ihr Debüt mit dieser Rolle an der Wiener Staatsoper. Die Kritiker lobten sie als die ideale Kindfrau, die ihren klaren lyrischen Sopran präzise durch die Klippen der Partie führt, koloraturgewandt und höhensicher.
Weiterer Meilensteine mit dieser Rolle waren die Produktionen mit Peter Konwitschny an der Hamburgischen Staatsoper (2003), an der Lyric Opera in Chicago (2008), der Metropolitan Opera New York (2010) und dem Megaron Athen, wo Petersen auch als Donna Clara in Zemlinskys „Zwerg“ (2007) und als Thais in Massenets gleichnamiger Oper auftrat (2009).

Als Page Oscar war sie im Jahr 2000 bei den Bregenzer Festspielen zu erleben, als Adele an der Opera National de Paris (2000), sowie an der MET New York (2005) und der Lyric Opera Chicago (2007) .
Im September 2002 verzauberte sie als Zerbinetta Covent Gardens Publikum in London mit einer fulminanten Vorstellungsserie der „Ariadne auf Naxos".

Als Mozarts Königin der Nacht debütierte sie 2004 an der Bayerischen Staatsoper München und als Nachtigall am Grand Théâtre de Genéve in „Die Vögel“ von Walter Braunfels.

Im Sommer 2006 gastierte sie zum ersten Mal bei den Salzburger Festspielen mit
Mozarts „Il re pastore“, gefolgt von Susanna („Die Hochzeit des Figaro“) im Jahr 2008.
Diese Partie sang sie mit Erfolg auch an der L.A. Opera unter der musikalischen Leitung von Plácido Domingo (2010).

Nach Ihrem Debüt an der Berliner Staatsoper als Zerbinetta (2005) kehrte sie 2008 als Angelica in Haydn´s Oper „Orlando Paladino” an das Haus zurück. Im selben Jahr gab sie mit ihrer ersten Zdenka („Arabella”) den Einstand bei den Münchner Opernfestspielen.
Im März 2010 sprang sie innerhalb von zwei Tagen für die Premiere “Hamlet” in New York ein und wurde vom Publikum und den Medien als die sogenannte Retterin der MET gefeiert.

Als Konzertsängerin ist Marlis Petersen auf allen großen Podien zu Gast. Gastspiele in Europa und den USA ermöglichten die Zusammenarbeit mit Dirigenten wie Zubin Mehta, Lorin Maazel, Christoph Eschenbach, Myung-Wung Chung, Antonio Pappano, Marcello Viotti, Fabio Luisi, Sir Andrew Davis, Jeffrey Tate, Michel Plasson, Daniel Harding, Ingo Metzmacher, Thomas Hengelbrock, Armin Jordan, Peter Schneider, Louis Langrée, Michel Corboz, Michael Boder u.a.m.
Die leidenschaftliche Beschäftigung mit der historischen Aufführungspraxis eröffnete den Kontakt zu Spezialisten wie René Jacobs, Ton Koopman, Trevor Pinnock und Helmuth Rilling.
Marlis Petersen arbeitete mit Orchestern wie den Wiener Philharmonikern, dem Boston Symphony Orchestra, dem Mahler Chamber Orchestra, dem Deutschen Sinfonie Orchester sowie dem Rundfunk Orchester Berlin, dem RAI Orchester Turin, dem Orchester der Accademia Nazionale di Santa Cecilia, dem Freiburger Barockorchester, der Akademie für Alte Musik und dem Ensemble Modern Frankfurt.

Marlis Petersen ist eine ebenso gefragte Sängerin für den Bereich der Zeitgenössischen Musik. So brachte sie Manfred Trojahns „La Grande Magia” an der Semperoper Dresden zur Uraufführung, Hans Werner Henzes „Phaedra” an der Staatsoper Berlin, Anno Schreiers neuen "Hamlet" und Aribert Reimanns „Medea” an der Wiener Staatsoper. Für die Interpretation dieser Rolle wurde sie 2010 von der Zeitschrift Opernwelt zum 2. Mal - ebenso 2004 für die „Lulu“ mit Konwitschny/Metzmacher - zur „Sängerin des Jahres“ gekürt.

Im Januar 2011 gab Marlis Petersen ihr erfolgreiches Debüt als Violetta in Peter Konwitschnys neuer „Traviata”-Inszenierung an der Oper Graz.

Mit großem Erfolg sang sie im Sommer 2011 die Rolle der Marguerite de Valois in den „Hugenotten“ am La Monnaie in Brüssel sowie die Wiederaufnahme von „Die Hochzeit des Figaro“ bei den Salzburger Festspielen. Sie beeindruckte ihr Publikum und die Kritiker mit einer gelungenen Interpretation aller vier Frauen in Hoffmann ́s Erzählungen (Theater an der Wien, 2012).

Weitere Engagements brachten die Künstlerin wieder an die MET New York als Susanna in “Figaros Hochzeit” und als Lulu, ebenso wie im selbem Jahr an der Staatsoper München. 2013 war sie am Theater an der Wien in Mozarts "Idomemeo" zu erleben.

Neue Pläne für diese Saison sind das Debut als Marietta in Korngolds Oper "Die Tote Stadt", sowie Maria Stuarda am Theater an der Wien und eine "Oper in Konzert"-Tournee mit Rene Jacobs und dem Freiburger Barock Orchester mit Beethoven´s "Leonore".

In den nächsten Jahren möchte sich Marlis Petersen vermehrt dem Genre LIED widmen. Geplant sind CD-Aufnahmen, Liederabende und Konzerte auf den weltweiten Podien: Wigmore Hall London, Concertgebouw Amsterdam und Konzerthaus Wien und Berlin, Schubertiade Schwarzenberg und Grafenegg.